Wie bereits an anderer Stelle gesagt, scheint K., auch oder gerade für ihn selbst erstaunlich, relativ schnell in der Marktwirtschaft angekommen zu sein; relativ früh hat er wahrgenommen, dass ein Osteopath kein kranker Ossi ist und ein Laufhaus kein Fitnesscenter.
Dennoch und trotzdem kann K. hin und wieder noch ein bisschen an seiner Marktfähigkeit arbeiten; beispielsweise war er letztens nahezu begeistert, beim Ausleben seiner weiblichen Anteile ein sogenanntes Schnäppchen gemacht zu haben, fast neuwertige Schuhe für nur 15 Euro hat er in einem ohne Ironie und dgl. namhaften Secondhandshop erworben.
Leider aber ist einer der beiden Schuhe nach etwa 200 Metern Fußweg auseinander gefallen; erst hat sich die Sohle gelöst, dann der Absatz und schließlich kam irgendwelches Material heraus gebröselt, das K. schon deshalb nicht definieren konnte, weil er es mitsamt den Schuhen etwas unwirsch in die Tonne, aua, getreten hat.
Tja, aber gestern war Basar im Haus, von dem K. buchstäblich auf den letzten Drücker etwas mitbekommen hat, obwohl er den diesen Basar ankündigenden Aushang gelesen hatte, und dort hat er ein weiteres Paar Schuhe erworben, fast neuwertig, und die haben sich als Haupttreffer erwiesen.
Pech in der Liebe, Glück bei den Schuhen… – Oder so! Es scheint viel Übertragungsliebe dabei zu sein, die Stiefmutterübertragung hat K. bereits gar artig exploriert, reflektiert und verbalisiert; die Frau Mondin ist ein Naturtalent und K. hat seine Meisterin gefunden, was das Anregen von Übertragungen betrifft, und das hat er gebraucht, der Sack.
Während K. diesen Text in die Tasten gedroschen hat, kamen von unten Rückmeldungen als Pseudo-Halluzinationen, d. h., da haben tatsächlich welche gesprochen, aber es wurden quasi Texte aufgespielt, die K. betrafen, dem zwar rational klar ist, dass so was nicht geht, dass er nicht der Nabel der Welt ist usw., der aber nichts dagegen tun kann, dass ihm das Geschehen im Moment des Geschehens überaus real erscheint.
‚Der is‘ größenwahnsinnig!‘ kam da etwa, sowie ‚Bildet sich ein, er is‘ geisteskrank; der is‘ schwul, der Typ!‘; kurzum handelt es sich um umwerfende Neuigkeiten fürwahr.
Würde K. jetzt nach unten gehen und nachfragen, ob sie das gesagt hätte, diese „Rückmeldungen“ kamen mit ihrer Stimme und sie ist auch wirklich da, würde sie das sehr wahrscheinlich verneinen.
K. ist kurz davor, mit dem sozusagen inneren Beten anzufangen; ‚Halte durch, Alter, nur noch eine Woche, und geh‘ jeden Tag zweimal ’ne Stunde laufen, um die Aggressionen los zu werden, denn wenn Du wieder von diesen zumindest ab einem bestimmten Punkt nicht mehr steuerbaren Impulsdurchbrüchen gebeutelt wirst, schießt Du Dir wieder selbst ins Knie!‘ usw.
Dabei hat K. eine Freudvolle Fehlleistung erbracht, die er selbst urst lustich gefunden hat, indem er vor sich hin gebrabbelt hat, denn er pflegt zu brabbeln, das Alter, und statt „Bleib friedlich!“ kam: „Bleib Friedrich!“; nun ja, der Klassiker im Jedermann und auch im K., *hüstel*.
***
Das war wohl wieder nix, prompt an der Decke gewesen; es ist nichts passiert, K. hat nur ein bisschen die Stimme gehoben, weil er das Gefühl hatte, sich als Wanderprediger zu betätigen, dem keiner recht zuhört, aber diese Führungspersönlichkeit bohrt auch immer wieder nach, wenn der Schorf gerade verheilt ist, und das ist eine sehr seltsam schiefe Kommunikation, die da läuft, aber auch das gehört woanders hin.
K. hat sich aufs Wochenende gefreut und dann kommt diese Frau mit dem Vorsatz, dazu beizutragen, K. von Impulsdurchbrüchen abzuhalten, und provoziert Impulsdurchbrüche bei K., weil sie nicht einmal in der Lage scheint, die einfache Frage zu beantworten, was sie eigentlich von ihm will; double bind ist ja wohl ’n bisschen geschmeichelt.
Aber K. ist abhängig, sie ist die Chefin, es greift keiner ein und K. kann nicht weg; eine tolle Situation, die hatte K. schon, har har, zwei, drei Mal in seinem beschissenen Leben.
Soll er in Tränen ausbrechen; „Der Klient muss es lernen, in der Gruppe den Schmerz zuzulassen, um auf diese Weise neu integriert zu werden ins Hier und Jetzt“???
… *schüttel*, *würg*, *rülps*…
Nee, das macht K. jetzt fast täglich ein bis zwei Mal in seiner, aua, Nasszelle, und das ist gut, weil die Gefühle kommen, weil da eine Menge Ballast abgeworfen wird, der sich teilweise über Jahrzehnte angestaut hat, und diesen in der Therapie vergeblich angestrebten inneren Erdrutsch hat aber nicht die Führungspersönlichkeit ausgelöst, sondern die Mondin, das Naturtalent, und dass sie es nicht mitbekommt oder nicht wahrhaben will, ist traurig, aber eben das Leben, bla, und sie löst ja beileibe nicht nur bei K. was aus, ha!
Sie ist mit 31 vielleicht wirklich zu jung; zudem hat K. bereits angemerkt, mehrfach erlebt zu haben, dass Frauen sich nach der Geburt ihres ersten Kindes irgendwie anders ihm gegenüber verhalten haben; sie konnten sie nicht verbalisieren, aber haben wohl die Defizite in K.’s emotionalen Grundeinkommen unklar gespürt.
Möchte die Führungspersönlichkeit K.’s Coming out begleiten? – Auch die hält ihn wahrscheinlich für schwul, dabei ist K. nur ein völlig harmloser Perverser, nix pädo und was da schon so gekommen ist, überaus origineller Weise, und K. denkt aber gar nicht daran, sich im Sinne von Meta Phorisch auszuziehen, wenn alle im Nerz da hocken.
Tja, wer aber nie ganz sichtbar wird, der is‘ nie ganz da, wo er gerade ist, und auch daher kommt die Wut, denn wenn Einer nie wirklich rein kommt, dann erreicht er auch, nur als Beispiel, eine Person nicht, die er liebt. Usw.
Kurzum – bla…
***
Es gibt immer ein Macht-Gefälle, es gibt immer Abhängigkeit, aber diese von K. nicht ohne sein Verschulden erlebte Aufschaukelung der Affekte in der geschlossenen Gesellschaft dieser wohnheimlichen Filterblase ist zum ruckartigen Umkehren der Transportrichtung der Speiseröhrenperistaltik fürwahr.
Wie war das? – „Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit“, Obermeister Kant usw.?
Na, dann mach mal, Stino-Dino Ossi-Kossi, hast Dich ja voll rein geritten, und es gibt übrigens Jobs mit Unterkunft, hähä.
Soweit wieder der Spitzelbericht an den Großen Imaginären Führungsoffizier (GIF), häff fann usw.!
* Gott ist tot, es lebe die Göttin; wir berichteten mehrfach.
... und das glaube ich Dir nicht... Deine Texte sprudeln förmlich, aber im Gegensatz zu mir fummelst Du dann nicht…